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Lokalwährungen: Gefahr für Anleger?

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Verkehrte Welt: Seit kur­zem ver­sucht die FINMA die klei­nen Lo­kal­währun­gen und Gut­schein­sys­teme einer ver­schärf­ten Re­gu­lieerung zu un­ter­zie­hen – an­geb­lich um Geld­wä­sche­rei und An­la­ge­be­trug zu verhindern. Dabei er­zie­len diese Lo­kal­währun­gen mi­ni­male Um­sät­ze. Der seit Jah­ren exis­tie­rende Netzbon aus Basel er­zielt einen Jah­res­um­satz von 50’000 Fran­ken und vom 2017 ge­grün­de­ten Farinet m Wal­lis sind ins­ge­samt 150’000 Fran­ken im Um­lauf, we­ni­ger als ein Drit­tel des Durch­schnitt­ver­mö­​gens eines ein­zi­gen Schweizers. 

Am 12. Februar wurden die kleinen Regionalwährungen ultimativ aufgefordert, «den rechtskonformen Zustand wiederherzustellen», innert zehn Tagen! Andernfalls drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren, Bussen bis zu 500'000 Franken und die Auflösung der Genossenschaft. Unter den vielen, zum Teil seit Jahrzehnten eingeführten Gutscheinsystemen, sind allerdings nur die neueren betroffen, die sich auch als Alternative zum bestehenden Geldsystem verstehen.

Dies nährt den Verdacht, dass es der FINMA nicht um den Schutz der Anleger geht – ihrem gesetzlichen Auftrag – sondern um den Schutz der Banken vor unangenehmer Konkurrenz, und sei sie noch so klein und symbolisch. Nicht betroffen sind u.a. der über fünfzig Jahre alte «Bücherbon» mit einem Jahresumsatz von elf Millionen Franken Umsatz und die vielen gewerblichen lokalen Gutschein-Systeme. Sie alle funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip: Man kauft sich einen Gutschein und kann ihn in den angeschlossenen Betrieben gegen reale Ware tauschen. Geldwäscherei und Anlagebetrug ist zwar theoretisch möglich, aber nur im kleinsten Umfang und mit beträchtlichem Aufwand. 

Geldwäsche mit den traditionellen Methoden – Finanzwetten, fingierten Aktienkäufen (siehe Panama-Papers) oder online-Geschäften – ist viel einfacher und sicherer (hier «Geldwäsche für Anfänger»). Selbst die Bankeinlage ist relativ sicher. Wenn ein reicher Unternehmer eine Bankeinlage macht, kann er dies leicht mit seinen Einkünften begründen. 

«Diese unsinnige Sache muss rasch an die Öffentlichkeit und ins Parlament!» schreibt Jens Martignoni, Autor des kürzlich erschienenen Buches «Das Geld neu erfinden» und Mit-Ininitant der «Swiss Currency Confederation». Die kleinen Vereine und Genossenschaften, die solche Währungen, Gutscheine und Bons herausgeben, hätten schlicht keine Ressourcen für teure Anwälte und einen langwierigen, völlig absurden Rechtsstreit. Und: «Die FINMA sollte sich dringend den wirklichen Problemen bei den Grossbanken, in der Hochfinanz, bei Hedgefonds oder sonstigen Spekulanten widmen, da wo offensichtlich massive Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Betrug und Lug im dreistelligen Millionenbereich regelmässig praktiziert werden.»

Mehr dazu von Jens Martignoni: Die FINMA bedroht Regionalwährungen und Gutscheinsysteme

 

 

 

 

 

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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75%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte March 2018

Letzte Nacht haben meine Synapsen wieder Dampf gemacht. Ich bereite die "Revolutionäre Geldschöpfung- und Bankensystem-Reform" vor. Im Geist abgehandelt. Sie entspricht dem Geist von Lietaer! Vollgeld und alle anderen Kryptowährungen sind Schrott! Mitdenker und Mithelfer aus der Zivilgesellschaft (ohne Ökonomen) gesucht. Initiative lancieren?

Kurzabr​iss: Zerschlagung der Währungshoheit.
1. Währungen ohne Delkredererisiko und Guthaben zinslos:
1.1. Für die weltweiten Beziehungen einzig GLOBAL mit dem Internetzusatz der Länder (Volumenkontrolle). Jeder Kunde und Bank hat weltweit die gleiche Stammkontonummer (gläsern = Gesamtobligo ohne Verkehrskontrollen). Keine Devisen- oder Notenkurse, sind im jeweiligen Preis enthalten.
1.2. Lokal- und Regionalwährungen Umtausch 1:1 innerhalb der Regionalwährungen, Umtausch in Global und umgekehrt, Kurs wird pro Kalenderjahr einmal festgelegt (Regeln definieren)
2. Geldschöpfer; die Form der AG und Mitwirken in sämtlichen Investmentgeschäften,​ sowie Kreditgewährung an Teilnehmer im Kapitalmarkt sind verboten
2.1. Global = Zentralbank, Treuhandderivat = Kunden sind einerseits die lokalen- oder regionalen Banken und Staat in Sonderstellung (Abdeckung Budget schuldenfrei = Regularien definieren)
2.2. Mikado uvam. = Lokal- oder Regionalbanken, Treuhandderivat (Ermächtigung und Registrierung, Regularien definieren) = Privatkundschaft und Staat (Zahlungsverkehr)
3.​ Steuern und Soziales Abwicklung zwischen Staat und Wirtschaft abwickeln (Steuerwettbewerb- und Optimierungsspiele sind beendet). Bedingungslose Grundsicherung einführen.
4. Wettbewerb
4.1. Wirtschaft mit Qualität und Preise. Export ohne jegliche Subventionen
4.2 Wohnsitz = Preis und Qualität
5. Staat und Wirtschaft klare Regularien definieren (keine Konkurrenz = Staat für Gemeinwohlaufgaben). Budgetabdeckung Bund als Verteiler zu den Kantonen, Kantone als Verteiler zu den Gemeinden. Rückfluss mit Mikado uvam oder Global möglich (Preisstabilität und Umwelt)
6. Treuhandderivat
Im Sinne der Geldschöpfung ist die normale Bankbilanz eine reine Treuhandbilanz!
Die Geldschöpfung der Banken erzeugt einzig die systemimmanente Verbriefung. Die Banken haben im Sinne des Geldsystems, weder Forderungen noch Verbindlichkeiten. Sie funktionieren als gesetzlich definierte Treuhandgesellschaft.​ Einziger Unterschied zu den normalen Treuhandgeschäften resp. Funktion als Finanzintermediäre ist: Dem Geldbesitzer wird das Guthaben (Zahlen) nicht reduziert und auf den “Kreditnehmer” umgelegt (Bankbilanz = Passivumlage)!




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43%
(7 Stimmen)
Georg Bender sagte March 2018

Lokalwährungen dienen einzig dem lokalen Gewerbe! Sie werden sowohl von Kommunen als auch vom Gewerbeverband emittiert. Der Preisrabatt liegt also im Umtausch!
Geldwäsche​rei zu vermuten ist einfach nur töricht! Solange die Privat geschaffenen Währungen (wer ist der Emittent = Wechsler?), nicht wie bei WIR, für den Zahlungsverkehr zwischen den Leistungserbringern verwendet werden, muss man keine Massnahmen ergreifen!

Die FINMA ("Finanzmarktmarionet​ten") sollte auch die Eigengeschäfte zur Geldschöpfung des Bankensystems beanstanden, weil sie Wettbewerbsvorteile und Wettbewerbsverzerrung​en schafft! Ich meine sogar, dass diese Art der Geldschöpfung, sogar der Verfassung von Treu und Glauben widerspricht. Dazu gehört auch die AG Form der Zentralbank! Schöpft das Geld für das Aktienkapital selbst, kann nicht Pleite gehen, aber gewährt Renditen für Private? Diebstahl von Volkseinkommen, keine strafbare Handlung?


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20%
(5 Stimmen)
Franz Krähenbühl parteifrei sagte March 2018

Da sind dumme Perfektionisten am Werk.

Perfektionis​ten, die sich durch überflüssige, ja sogar schädliche Taten ins Rampenlicht erheben wollen!

Bei Wirtschaftskriminalit​ät wie im Falle Dieter Behring, wird in der Regel nicht so exakt hingeschaut. Bei auffälligem Aktienhandel durch Insiderwissen, gibt es nur Ausnahmen, wie die Affäre Hans Ziegler, die die Regel bestätigt.



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43%
(7 Stimmen)
Karlos Gutier sagte March 2018

Die FINMA kann ihre Aufgaben bei den Grossbanken nicht durchsetzen, ist in vielen Fällen unfähig und braucht nun ein Erfolgserlebnis um sich zu rechtfertigen und wie immer sucht man sich dazu die Kleinsten und Schwächsten.
Unsere Bundesverwaltungen sind in den meisten Fällen unfähig und inkompetent.


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71%
(7 Stimmen)
Emil Huber sagte February 2018

Man hat wohl Angst, die Monopole der patriarchalen Währungen zu gefährden.
Der international renommierten Währungsexperten Bernard Lietaer (BL) sagte in einem Interview mit Lars Schall (LS) folgendes:

"LS: Wenn nun aber die Mehrzahl der Menschen überhaupt keine Ahnung vom Geld besitzt, wer hat sich dann darauf geeinigt?
BL: Das war vor ein paar Jahrhunderten. Wir haben uns einfach daran gewöhnt. Es ist eine Selbstverständlichkei​t geworden. Tatsächlich ist das Geld, welches wir heutzutage auf der allgemeinsten Ebene als normal erachten, die Vorstellung einer Einheitswährung.
LS:​ Sie sehen einen Zusammenhang zwischen dem Geldsystem und der Entwicklung patriarchalischer Gesellschaften. Warum besteht da dieser Zusammenhang?
BL: Wenn Sie alle patriarchalischen Gesellschaften unserer Geschichte in eine Box legen: Sumer, Babylon, den größten Teil der Geschichte Chinas, die Römer, die Griechen, und seit der Renaissance in Westeuropa, heute wir – all diese Gesellschaften nehmen eine Einheitswährung mit positiven Zinsen als gegeben, das heißt, es ist eine Konzentrationsvorrich​tung. In einer patriarchalischen Weltanschauung ergibt es auch tatsächlich Sinn, die Ressourcen an die Spitze zu bringen. Und das tut es.
Nun, wenn Sie andererseits Gesellschaften betrachten, die feminine Werte ehren, bemerken Sie, dass es zwei Arten von Währungen gibt. In diesen matrifokalen Systemen gibt es eine den patriarchalischen Gesellschaften vergleichbare Währung. Diese dient aber dazu, Menschen zu bezahlen, die man nicht kennt, im Fernhandel. Sie haben eine zweite Währung, deren Regeln genau im Gegensatz zur patriarchalischen steht, und die wird für den lokalen Handel benutzt.
Die Regeln unterscheiden sich vom patriarchalischen System darin, dass im patriarchalischen System Geld von Oben herausgegeben wird, und es gibt Zinsen, wodurch Ressourcen an der Spitze konzentriert werden. Die matrifokale Währung hat keine Zinsen, und die ausgeklügeltsten von ihnen haben einen negativen Zins, sie werden also ausschließlich als Tauschmittel eingesetzt, um einen Wert wiederherzustellen, und es gibt Menschen, die diese Währung von unten nach oben benutzen, sie ist somit exakt das Gegenteil der patriarchalen Währung. Aber indem diese beiden Währungen parallel existieren, entsteht eine ganz andere Gesellschaft."

"LS​: Was fördert oder erleichtert unser Geldsystem?
BL: Konkurrenz, kurzfristiges Denken, die Minderung des Sozialkapitals, die Möglichkeit für mehr. Unser System wurde unter dem Zwang des Krieges geschaffen, jede „Verbesserung“ geschah typischerweise im Kontext eines Krieges, und es war der Ursprung vieler Kriege. Ein Krieg stellt das Umfeld parat, wo man reinen Tisch machen kann, wenn die Dinge unmöglich werden, und wir bringen uns heute in diese Situation hinein. Historisch lösten wir das jedes Mal mit Krieg. Ich glaube, die Zeit ist angebrochen, nach anderen Mitteln Ausschau zu halten, nach anderen Möglichkeiten, um die Probleme zu lösen, mit denen wir es zu tun haben, strukturelle Probleme. Das ist es, was ich befürworte."

Den ganzen Beitrag gibt es hier zu lesen:

http://www.​larsschall.com/2016/0​2/26/ein-wiedersehen-​mit-bernard-lietaer/


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50%
(8 Stimmen)
Georg Bender sagte February 2018

Herr C. Pfluger

Vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag.
Es ist einfach nur absurd und töricht! Die Dummheit ist im Gegensatz zur Intelligenz grenzenlos!
Die FINMA würde besser den Diebstahl von Volkseinkommen anklagen, welche die Form der AG für die Zentralbank, erst ermöglicht. Wenn die FINMA noch nicht realisiert hat, dass ihr Aktienkapital mit dem von ihr selbst gedruckten Geld besteht und sie systemimmanent nicht in Pleite gehen kann, so muss man es ihr sagen!
Bei einer Geldschöpfungsreform im Sinne der Geldsicherung, konzentriert auf die Zentralbank als einzige Bank, könnte sich die FINMA nur auf Nichtbanken konzentrieren, welche sich im Geldspielwarenmarkt tummeln! Der Geldverkehr würde nur noch über Konten bei der Zentralbank abgewickelt. Diese Bank können sie ja auch noch kontrollieren?



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75%
(8 Stimmen)
Alex Müller sagte February 2018

Ich wusste gar nicht, dass es Lokalwährungen gibt. Ich kenne aber das System WIR-Checks, welches meine Schwiegervater, der eine eigenes Werbebüro führte, benutzte.
Wenn nun die Finma so rigoros bei so kleinen Lokalwährungen "einfährt", wie wenn unser Land in Gefahr wäre, halte ich das für stark überzogen. Absurd sind die angedrohten Strafzahlungen von Fr. 500 000.- gegen eine kleine genossenschaftlich betriebene Währung. Drum ja, das Parlament soll sich mit der Sache befassen.


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